pädagogisches/therapeutisches

Intuitiv Bogenschießen für Jedermann

 Bogenschießen in Schulen / Pädagogik / Therapie

Grundsätzlich befürworten Wir das Bogenschießen in Schulen. Vielerorts sind damit ausgezeichnete Erfahrungen gemacht worden. Es gibt jedoch, wie in jeder Sportart, die einen therapeutischen Ansatz ermöglich, ein paar essenzielle Dinge im Vorhinein zubeachten:

  • Suchen Sie nach mindestens einem, wirklich erfahrenen, Bogenschützen. Dieser sollte sich vorzugweise mit allen Arten des Bogenschießens auskennen und keine Scheu haben, auch neue Techniken zu testen und zu vermitteln. Pädagogische Vorerfahrung ist hier natürlich hilfreich. Auf diese Weise kann eine richtige Anleitung der Schüler und qualifizierte Hilfe zu Anschaffung und Pflege der Ausrüstung etc. gewährleistet werden.

  • Aus Gründen des einfachen Umgangs mit dem Gerät, der Unempfindlichkeit der Ausrüstung, und vor allem auch für den pädagogischen Effekt (z.B. seinen Gefühlen zu vertrauen statt der Technik) empfehlen Wir für den Anfang unbedingt einfache Bögen ohne Visier und anderen technische Hilfen. Erfahrungsgemäß ist die ursprüngliche, „romantische“ Art des Bogenschießens nicht nur für Kinder auch deutlich attraktiver.

  • Bieten Sie Trainingsmöglichkeiten in der Halle und auch im Freien an. Sprechen Sie hierzu am besten Ihren örtlichen Bogenverein an. Hier erhalten Sie auch Hilfe bei Ausrüstung, Anleitung und vielem mehr. Eine nahezu vollständige Vereinsdatenbank mit Suchfunktion nach Postleitzahlen finden Sie unter www.bogenschiessen.de.

  • Neben dem Sportunterricht ist das Bogenschießen auch hervorragend für den normalen Schulunterricht geeignet: Ob Themen rund um Steinzeit, Umwelt und Natur, Holz und Handwerk, Geschichte und Traditionen, Physik, andere Kulturen oder, oder, oder. Der Bogen ist eines der einzigen Vermächtnisse unserer Vorfahren, das bis heute in kaum veränderter Form bestand hat. Hier kann man also wirklich einmal „Ganzheitlich“ arbeiten.

 

Vor 7 Jahren hat unser Vereinsvorsitzender Klemens Schmelter bereits einen Artikel zum Thema „Therapeutisches Bogenschießen“ verfasst, welcher auch in der „Traditionell Bogenschießen“ veröffentlicht wurde. Dieser war einer der ersten seiner Art in der Bogensportpresse überhaupt.

 

Artikel über das Therapeutische Bogenschießen von Klemens Schmelter:

 

Die Mitte der Scheibe ist nicht das Ziel

Therapeutisches Bogenschießen: drei Beispiele

Von

Klemens Schmelter (Inhaber der Firma „Bogenzeit“ UG, 1. Vors. des TBSV Paderborn e.V.) ,

Bettina Waidele (Dipl. Sozialpädagogin, Fortbildungen in  Konfliktmanagement und  GFK- gewaltfreie Kommunikation nach M. Rosenberg)

Intro

Befragt man Schützen oder Schützinnen warum sie Intuitiv Bogenschießen, beschreiben sie oftmals den Zustand von Konzentration und Ruhe, den sie erreichen nach einem anstrengenden Arbeitsalltag. Endlich mal das reflexive Denken abschalten bzw. als untertänig gegenüber dem Intuitiven erklären. Sich auf den sicheren Stand, den Bewegungsablauf und das Ziel konzentrieren. Das Rezept für den gelungenen Stressabbau ist es sich aufs Wesentliche einzulassen und all die Gedanken an den fordernden Chef oder an den Streit mit dem Partner an den Nagel zu hängen. Nebenbei fördert und schult das Bogenschießen die Feinkoordination von Rücken-, Bauch-, Schulter-, Arm- und Beinmuskulatur.

Bei all diesen positiven Aspekten, ist es kein Wunder, dass man das intuitive Bogenschießen als Methode für die therapeutische Arbeit mit Menschen entdeckt hat. Doch was steckt dahinter? Ist es möglich mit dem Medium des intuitiven Bogenschießens wirklich therapeutisch zu arbeiten und wo wird dies bereits praktiziert? Die folgenden Ausführungen beziehen sich exemplarisch auf zwei Kliniken in denen das therapeutische Bogenschießen fester Bestandteil des Therapiekonzeptes ist.

Teil 1, psychosomatischen Klinik Wollmarshöhe in Bodnegg

 

man lässt sich einfach darauf ein…

 

Die Leitidee der Klinik Wollmarshöhe in Bodnegg ist, dass die Ursachen vieler Krankheiten nur durch ganzheitliche Betrachtungsweise verstanden und behandelt werden können. Seit bereits über 10 Jahren wird in der Wollmarshöhe neben den üblichen Therapieverfahren auch mit therapeutischem Bogenschießen gearbeitet. Wenn Therapeut und Patient sich einig sind, dass ein körperorientiertes Verfahren die Gesprächstherapie bereichert oder gar neue Ansatzpunkte liefert erhält der Patient zuerst eine Einführung ins intuitive Bogenschießen, damit es möglich ist im Anschluss mit der Therapeutischen Arbeit zu beginnen. Die Sitzungen werden mit 2-3 Patienten ca. 4 Treffen begonnen und bei positiven Ergebnissen bezogen auf die Thematik des Teilnehmers in Einzelsitzungen fortgeführt.

In der Praxis der Wollmarshöhe betrachtet man das therapeutische Bogenschießen als eine Form der Erlebnistherapie. Bei der Erlebnistherapie geht man davon aus, dass nicht nur die negativen bzw. positiven Erfahrungen, die wir in Beziehung mit unseren Mitmenschen erfahren Krankheit oder Gesundheit bestimmen, sondern auch Erkenntnisse,  die außerhalb der Kommunikation mit Menschen stehen. Erfahrungsorientiertes Lernen ist das Schlagwort.

Hat ein Patient beispielsweise Schwierigkeiten einen festen Stand beim Bogenschießen zu finden, könnte dies auf Parallelen seines Alltagslebens hinweisen. Ist es für die Person problematisch einen eigenen Standpunkt zu vertreten? Nimmt sich die Person Zeit einen eigenen Standpunkt zu finden? Wichtig ist, dass die Themen vom Patienten selbst kommen. Der Therapeut nimmt eine fragende Position ein und  hilft dem Gegenüber auf sich selbst zurückzuschauen. Wo liegen Hindernisse, Probleme einen harmonischen Bewegungsablauf zu erreichen? In welchen Situationen hakt es? Es geht darum das Wesentliche in sich selbst zu erkennen und sich zu fragen, ob man genau mit diesen Schwierigkeiten auch im Alltag konfrontiert ist. Mit der Methode des therapeutischen Bogenschießens können so wichtige Lebensthemen und  hinderliche Verhaltens- bzw. Bewegungsmuster erspürt werden, welche einem gesunden und zufriedenen Leben im Weg stehen.

Hat der Patient für sich ein Thema gefunden, wird gemeinsam ein Übungsplan entwickelt. Hier ist die Kreativität des Therapeuten und Patienten gefragt. Bezogen auf den Stand können verschieden Stehpositionen ausprobiert werden oder der Patient schießt aus verschiedenen ungünstig zum Ziel  liegenden Positionen,  um metaphorisch zu verdeutlichen, dass auch mit einer ungünstigen Ausgangsposition (Standpunkt) es möglich ist sein Ziel zu erreichen.

Die Vertiefung des Übungsprogramms soll bewirken, dass die neu gewonnenen erfahrungsorientierten Erlebnisse auf das „wirkliche“ Leben übertragen werden. Relevant ist es dem Patienten positive Erlebnisse zu verschaffen, damit er für zuvor angstbehaftete Themen ein neues Selbstbewusstsein gewinnt.

Interview mit einem Patienten der Klinik Wollmarshöhe:

Der Peter C. erklärte als erstes, dass er im Berufsleben in einer verantwortungsvollen Position sehr „verkopft“ gearbeitet hätte und dies auch im normalen Leben später zur Normalität geworden wäre.

Peter C.:„Der Geist kontrolliert alles, dies ist irgendwann nicht mehr zu ertragen.“

Klemens: „Was spielte denn das Intuitive Bogenschießen, was Sie an der Klinik kennen gelernt haben für eine Rolle?“

Peter C.:  „Ich denke ich habe die Intuition in mir wieder entdeckt und später das Gefühl sie wahrzunehmen verfeinert, vor allem dadurch, dass die Lösungssätze durch Intuitives Bogenschießen getestet werden.“

Klemens: „…die Lösungssätze?“

Peter C.: „Ja, da Zielen nicht sein darf, wird man von dem Weg weggeführt etwas aktiv zu lösen (Problem), man lässt sich einfach darauf ein. Dann passierte es aber nach einigen Wochen des Übens, dass ich nur noch intuitiv wurde in fast allen Entscheidungen, die Intuition wurde zur Prüfinstanz.“

Klemens: „..und wie ging es weiter…?

Peter C.: „Dann ging es daran die Ausgewogenheit zu erreichen, die Gedanken des Geistes sollten auch wieder ihren Platz haben. Eine Therapie ist erst „Neues“ und dann die Erfahrung der Rückkehr zur Gesundheit und vor allem zum Streben nach Gesundheit. Durch Schießeinheiten gebunden an bestimmte Aufgaben und spätere Gespräche mit dem Psychologen kam es zu einer noch nicht gekannten Konfrontation mit dem „Ich“. Der Bogen zeigte mir ganz ehrlich wie es in mir aussah, wo ich stehe. Vor Schmerz schütze diese Wahrheit jedoch nicht“.

Klemens: „…ich danke Ihnen für dieses Gespräch“.

Zentrale Themen beim Bogenschießen können die Gegenüberstellung von Zielorientierung (das Treffen der Mitte, ist mir das Wichtigste) und Prozess- Orientierung (Bewegungsabläufe beim Bogenschießen) sein. Häufig werden auch der Umgang mit Erfolg / Misserfolg und die Konfrontation mit Leistungsdruck und  Konkurrenz wesentliche Punkte der Auseinandersetzung. Bogenschießen ist eine unbestechliche Realitätsprüfung („Was kann ich wirklich?“) und vermag falsche Selbsteinschätzungen (Größenphantasien/ Versagensängste) zu korrigieren. Wie erreiche ich eigene Ziele und habe ich einen festen Standpunkt sind ebenso Themen der Patienten.

Richtig ausgeübtes Bogenschießen hat einen hohen gesundheitlichen Wert und kann heilsam sein.

– Der aufrechte, sichere und ruhig-lockere Stand sowie das richtige Ziehen der Sehne bei dem die Muskeln im Bereich der Schulterblätter angespannt werden, kräftigt die Rückenmuskulatur und stabilisiert die Wirbelsäule. So können Rückenschmerzen gelindert werden.

– Der harmonisch- fließende Bewegungsablauf führt zu einem wohltuenden und guten Körpergefühl und behebt leichte Koordinationsstörungen

– Im Gleichklang mit der angenehm kraftvollen Bewegung stabilisiert sich ein sanfter gleichmäßiger Atemrhythmus, hilfreich bei gelegentlichen Atemproblemen.

– Die Ruhe und das fast unmerkliche Loslassen und freie Fliegen des Pfeils bewirken eine Entspannung, die als Beruhigung von Herz und Kreislauf spürbar werden kann.

Bei der anschließenden Übungsstunde im gesundheitlichen Bogenschießen in der Klinik Wollmarshöhe stand im Vordergrund das „Kreative Beobachten“ an verschiedenen Plätzen (Wald, Wiese, Schießstand vor dem Seminarhaus).

Eine Person schilderte dabei ein Problem und wurde von den anderen 2-3 Teilnehmern beobachtet. Es wurden dabei Einfälle notiert, besprochen und Vorschläge erarbeitet.

Ein Teilnehmer schilderte z.B. das Problem, dass er seine Hüfte stets beim Bogenschießen bewegen würde. Grund dafür war eine Sehnenverkürzung in den Armen von der er natürlich bereits gewußt hat. Nach den Beobachtungen wurden Vorschläge gemacht z.B. vor jedem Schießen eine längere Dehneinheit für den Oberkörper einzurichten oder den Stand leicht zu öffnen, um trotz der verkürzten Sehnen in den Armen Schießen ohne Schmerzen und Hüftbewegungen zu ermöglichen.

Der pädagogische Mitarbeiter der Klinik Raimund Widmer hat zusätzlich vorgeschlagen selbst vor dem Spiegel zu üben, um seinen eigenen Stil nur mit den 3 Vorgaben (Stand, Blick ins Ziel und Anker am Kinn- Neigung des Kopfes nicht nötig), die im therapeutischen Bogenschießen der Klinik als einzige genannt werden, zu finden. Sätze des Dipl.-Psychologen Schäfer wie: „Entwickle, gib nicht vor“ oder „die Person steht immer im Vordergrund, nicht die Scheibe“ klangen dabei nach und machten uns deutlich wie schmal der Grat zwischen Zurückhaltung und  Beeinflussung sein kann.

Nach dieser interessanten Einheit äußerten sich verschiedene Teilnehmer wie z.B. ein Psychologe, dass er es als unheimlich komplex empfindet auf körperlicher Ebene mit Bogenschießen zu arbeiten, mehr könnte er sich vorstellen auch im psychologischen Bereich damit Erfolg zuhaben. Von der Leitung des Seminars wurde dabei hingewiesen, ein Patient müsse selbstverständlich erst seinen Hausarzt aufsuchen, danach könne man erst in Kontakt mit dem behandelndem Arzt als therapeutische Assistenz bzw. Trainer tätig werden.

Teil 2, Teutoburger-Wald-Klinik, Klinik für Psychosomatik in Bad Lippspringe

… die Erfahrung des Loslassens…

Auch die Teutoburger-Wald-Klinik, Klinik für Psychosomatik, in Bad Lippspringe bei Paderborn arbeitet regelmäßig mit dem Medium Bogen. Seit einigen Jahren praktiziert Dr. med. Hans-Werner Kraft, Oberarzt in seiner psychosomatischen Tätigkeit mit Erfolg „Therapeutisches Bogenschießen“.
Dieses Bogenschießen entspricht von der Schießtechnik her dem Traditionellen Bogenschießen, hat aber auch eine meditative Seite, die sich am japanischen Kyudo orientiert.
Die Patienten üben sich dabei in der Achtsamkeit. Dieses Bogenschießen ist Körperarbeit und Meditationsübung. Dabei kommen neben Elementen aus dem ZEN auch Prinzipien des QIGONG, des YOGA und Atemübungen zur Anwendung.

Die Therapeutische Arbeit geschieht im Gegensatz zur Wollmarshöhe in Gruppen. Bei jedem Treffen werden die Patienten je nach Bedarf für ein bestimmtes Thema sensibilisiert, z.B. Loslassen.

Beim Spannen des Bogens entdeckt die Gruppe die Erfahrung des Loslassens. Die Übung mit dem Bogen zeigt den Weg, aus der eigenen Mitte heraus zu handeln. Jeder Einzelne soll die Verbindung von Ruhe und Aktivität, von Anspannung und Entspannung erleben.
Charakteristisch für dieses Bogenschießen ist die Wichtigkeit der Atmung. Über den Atemvorgang ist das psychosomatisch so bedeutsame vegetative Nervensystem gut zu beeinflussen. Der Mensch kommt zur Ruhe und erfährt über die Bauchatmung die eigene Mitte. Aus dieser Mitte heraus heben die Teilnehmer  Pfeil und Bogen, um dann weiter in bestimmter Kombination mit der Atmung

– die Sehne zu ziehen
– mit der Hand am Kinn zu ankern (wie auch in Wollmarshöhe)
– loszulassen
– nachzuschwingen
– und schließlich wieder beide Hände zur Mitte zu senken.

Aus psychotherapeutischer Sicht ist Therapeutisches Bogenschießen ein körperorientiertes Verfahren, das tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Elemente verbindet. Durch die Verknüpfung von körperlicher und geistiger Aktivität wird eine Brücke zwischen unbewussten Persönlichkeitsanteilen und dem bewusstem Erleben und Handeln geschaffen.

Daraus ergeben sich als mögliche Behandlungsindikationen für Menschen mit
Depressionen, Ängsten, Burn out- Syndrom, Schlafstörungen, Tinnitus,
chronischen Schmerzen.

Zentrale Therapieziele für Dr. med. Hans-Werner Kraft sind unter anderem

– Boden unter die Füße bekommen
– Achtsamkeit (mindfulness based stress reduction n. Kabat-Zinn)
– Finden der eigenen Mitte
– Motivation
– Selbstvertrauen
– Umgang mit Aggression
– Umgang mit Leistungsdruck

– Loslassen lernen u.a.

Teil 3, Ausbildungsseminar für …in…

„…was sich gut anfühlt ist auch gesund, also Hinspüren…“

mit diesen Worten begrüßte Dipl.-Psychologe Karl-Heinz Schäfer die Gruppe beim ersten Schießen des 2. Wochenendes der Ausbildung nach einem Begrüßungsgespräch im Seminarhaus der Klinik Wollmarshöhe. Ein wichtiger Hinweis war vor diesem Schießen, das von anderen Teilnehmern des Seminars beobachtet worden ist: „…nicht während des Ablaufs korrigieren, jetzt bei unserer gemeinsamen Übung und natürlich auch später beim möglichen Arbeiten mit Menschen nach der Ausbildung“.

Vor ca. 10 Jahren hat eine physiotherapeutische Mitarbeiterin der Klinik Wollmarshöhe das Bogenschießen im Haus etabliert. Der Dipl.-Psychologe Karl-Heinz Schäfer (Leiter der Ausbildung) hat es vor ca. 8 Jahren übernommen und bezogen auf die Arbeit mit Patienten konsequent weiterentwickelt. Vor ca. 3 Jahren begannen so die Seminare und die Ausbildung im Therapeutischen Bogenschießen für Psychologen und Pädagogen.

Der pädagogische Mitarbeiter der Klinik Wollmarshöhe Raimund Widmer schießt z.B. seit seiner Jugendzeit Bogen, vertiefen konnte er seine Praxis schon während seiner pädagogischen Ausbildungszeit. Der Herr Widmer hat viel Sachkenntnis und Gespür für die Teilnehmer der Ausbildung gezeigt und uns wunderbar auch im Klettergarten, der auch zum „Inventar“ der Privatklinik gehört und therapeutisch eingesetzt wird, begleitet.

Bei diesem Schießen ging es, um das erste Beobachten der Anatomie der anderen Teilnehmer in kleinen Gruppen. Der Bewegungsablauf sollte nach den theoretischen Vorgaben im Vorgespräch wie folgt sein:

-ökonomisch, geringster Kraftaufwand (Optimallinie)

-nicht Arme sondern Rücken (Schultern) arbeitet

-Ankerpunkt als Optimum der Energieeffizienz (Rücken bzw. Schulterblätter setzen die Grenze)

-aufrecht und locker,

-Bewegungsablauf ruhig und fließend

-mögliche Warnsignale -> zusätzliche Bewegungen wie z.B. Schultern heben, angestrengt wirken

Dies galt nur für unsere Übung sonst gelten beim Schießen in der Klinik nur folgende 3 Vorgaben beim Schießen mit den Patienten: (sicherer Stand, Blick ins Ziel und Anker am Kinn- Neigung des Kopfes nicht nötig).

Konzentration an der Schusslinie und die Suche des optimalen Schießschwerpunktes standen also im Vordergrund. In großer Runde wurden später die Ergebnisse besprochen. Die Teilnehmer legten z.B. eine Hand auf den Rücken des Schießenden, um zu prüfen ob wirklich die Rückenmuskulatur angespannt wird. Eine schöne Methode mit dem Schießenden in Kontakt zu treten.

Später schossen wir auch mit geschlossenen Augen, um eben mehr auf den inneren Ablauf zu achten. Fragen wie: „Wo fühlst du dich am wohlsten?“ führten zu Erkenntnissen, dass das Loslassen einfach das Ende der Aktivität ist und nicht so sehr ein bewusster Vorgang auf den wir uns beim „normalen“ Intuitiven Bogenschießen auf 3D Ziele usw. schon ziemlich konzentrieren. Ein Gedanke, den der ein oder andere sicher bei seiner alltäglichen Schießpraxis als wohltuend betrachten kann in Zeiten wo das Wort Targetpanik das Thema unter uns traditionellen Schützen zu sein scheint.

„Loslassen“ mussten wir alle Teilnehmer des 2. Wochenendes zum Ende hin im Kletterpark der Klinik neu erfahren. Eine wunderbare Erfahrung unter Anleitung von Raimund Widmer der für diesen Bereich speziell ausgebildet ist. Bis auf das „Loslassen“ hat es viele Parallelen mit dem Intuitiven Bogenschießen: Arbeit mit der Koordinationsmuskulatur, auch hier ist das Kleinhirn gefordert, archaisches Erleben, Kindheitserinnerungen werden wach, die Gruppe sorgt für Sicherheit etc.

Das Kind in uns wieder finden beim Bogenschießen pure Freude ohne Targetpanik, Baseline und strukturierter Fehlerkorrektur oder wie mein langjähriger Freund und Mentor Armin Meier-Kühn, seit 6 Jahren Seminarleiter bei unserer Sommerexkursion nach Masuren sagt und damit seinen japanischen Meister zitiert: “…wenn die Menschen nur sicher stehen würden, hätten wir viel weniger Kriege in dieser Welt…“.

Also Freude und sicherer Stand mehr brauchen wir nicht, um uns und andere glücklich zu machen. In diesem Sinne…